Die Geburt eines Babys ist mit verschiedenen körperlichen und emotionalen Erlebnissen verbunden. Ein Baby in die Welt zu bringen ist ein wirkliches Wunder, es ist etwas Besonderes, aber geht auch mit Ängsten einher. Viele Frauen warten auf diesen Moment schon lange vor der Entbindungsfrist und bereiten sich sowohl physisch als auch psychisch vor. So ging es mir auch als die Zeit lief und das Baby in meinem Bauch wuchs. Ich habe mich mehr und mehr mit der Frage auseinandergesetzt, wie wird nun die Geburt verlaufen und was soll man machen, damit die Ängste nicht die positiven Gefühle überragen. So entdeckte ich für mich das Hypnobirthing, das laut dem Buchtitel „den Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“ sein soll. Gerne möchte ich meine Erfahrung mit dieser Methode teilen. Am Ende muss man selbst für sich entscheiden, ob es das Richtige für einen ist.

Was ist Hypnobirthing

Die Hypnobirthing-Methode wurde von Marie F. Mongan entwickelt, die selbst Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Kinder entsprechend den damaligen medizinischen Vorgaben und Prozessen zur Welt gebracht hatte. Da sie nicht akzeptieren wollte, dass die Geburt schmerzvoll ist und kein schöner Moment ist, hat sie sich dazu entschieden ihre eigene Methode der sanften Geburt zu etablieren. Diese sollte den Frauen die Geburt erleichtern und zum besonderen Erlebnis machen, das ohne gravierende medizinische Eingriffe (wie bspw. Zange oder Glocke) verlaufen soll.

An dieser Stelle möchte ich nicht in die Tiefe gehen. Diejenigen, die mehr Details über die Entstehung sowie die historischen Voretappen der Methode erfahren wollen, können das Buch lesen. Es ist definitiv sehr spannend und erklärt Einiges, warum der Entbindungsprozess mehr mit negativen als positiven Emotionen assoziiert wird. Ich möchte mich nun auf das Wesentliche fokussieren und in Kürze die wichtigsten Grundlagen darstellen, damit die Methode schnell angewendet werden kann.

Zusammengefasst besagt der Grundsatz der Hypnobirthing-Philosophie, dass Geburt für Frauen eine normale, natürliche und gesunde Tätigkeit ist. Die Mutter lernt somit ihren Körper während der Geburt zielgerichtet einzubeziehen, um sich während der Entbindung zu entspannen und mit ihrem Körper und ihrem Kind zu arbeiten. Sie soll darauf vertrauen, dass jeder weiß, wie er seine Aufgabe erfüllen muss, sodass die Geburt erfolgreich und schmerzfrei abgeschlossen wird.

Wie funktioniert Hypnobirthing

Wie oben erwähnt, geht es bei der Hypnobirthing-Methode um die Entspannung des eigenen Körpers und positive Einstellung der Geburt gegenüber. Der Schwerpunkt der Philosophie macht die Macht des Geistes aus, die durch eine gewisse Art der Meditation, verschiedene Entspannungstechniken und das autogene Training eingesetzt wird. Im Großen und Ganzen basiert Hypnobirthing auf vier Basistechniken:

  1. Atmung
  2. Visualisierung
  3. Entspannung
  4. Vertiefung

Man fängt sozusagen den Prozess mit der speziellen Atmung an und versucht seinen Körper „zu verlassen“, um sich auf die Visualisierung zu fokussieren. Dabei stellt man verschiedene positive Bilder vor, wie man bspw. auf einer leichten Wolke schwebt oder in den Raum eintritt, wo Frieden und Ruhe herrschen, in dem man sich wohl und entspannt fühlt. Anschließend übergeht man zum Prozess der Geburt und visualisiert, wie glücklich man ist, wenn das Baby da ist, gesund und friedlich. Somit entspannt man seinen Körper und Geist und geht psychisch eine Stufe weiter. Das Ganze wird täglich wiederholt, um den gesamten Prozess zur Routine zu machen und am „TAG X“ sofort anwenden zu können. Das mag alles esoterisch und abgehoben klingen, aber das funktioniert tatsächlich.

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Exkurs in die Atemtechniken machen, die restlichen drei Methoden können im Buch von Marie F. Mongan im Detail kennengelernt werden.

Die Autorin stellt drei Atemtechniken vor, die bei Hypnobirthing angewendet werden können. Wenn man bereits einen Geburtsvorbereitungskurs besucht hat, dann kommen diese Techniken sehr bekannt vor.

  1. Ruheatmung: Eine einfache Entspannungstechnik, die der Mutter hilft, einen entspannten Zustand zu erlangen, um mit den weiteren Schritten fortfahren zu können. Dabei atmet man in den Bauch tief ein, während man im Geist „Ein-2-3-4“ mitzählt; wenn man ausatmet, spricht man im Geist „Aus-2-3-4-5-6-7-8“. Die gesamte Atmung findet über die Nase statt, dabei richtet man die Energie des Atems nach innen Richtung Rachen und nach unten.
  2. Wellenatmung: Die Technik ist besonders wichtig, denn sie wird während den Wehen eingesetzt. Das Ziel der Wellenatmung ist es, die Zeit des Ein- und Ausatmens so lang wie möglich auszudehnen. Um die Atmung richtig ausführen zu können, sollte man seine Hände auf den oberen Teil des Unterleibs legen, danach ausatmen, sodass die Lungen und Atemwege komplett frei sind. Anschließend atmet man langsam und allmählich durch die Nase ein, während man schnell von 1 bis 20+ zählt. Dabei wird der Bauch sozusagen wie ein Luftballon aufgeblassen. Das langsame Einatmen und das gleichermaßen langsame Ausatmen gibt genug Zeit, um die Wehe zu verarbeiten und die Kraft zu holen.
  3. Geburtsatmung: Es ist die Atemtechnik, die während der eigentlichen Geburt angewendet wird. Im alltäglichen Gebrauch ist dieser Prozess als Pressen bekannt, was eigentlich falsch ist. Denn pressen kann sich nachteilig auswirken. Bei der Geburtsatmung geht es darum den natürlichen Geburtsreflex des Körpers zu unterstützen und das Kind sanft nach unten zu bewegen. Dabei nimmt man während der Wehe einen tiefen Atemzug durch die Nase und richtet die gesamte Energie dieses Atems in den hinteren Bereich des Rachens, durch den Körper hinab nach unten. Diese Übung kann man leider nicht vorab üben, aber wenn es soweit ist, macht man es instinktiv richtig.

Nun genug der Theorie! Im Weiteren möchte ich kurz meine Erfahrung mit Hypnobirthing teilen. Vielleicht wird es einigen der Leser helfen den Moment der Geburt zu erleichtern.

Meine Erfahrung mit Hypnobirthing

Ich habe für mich Hypnobirthing entdeckt als ich ca. in der 30. Schwangerschaftswoche war. Und zwar das war genau der Zeitpunkt, wo man realisiert, dass die Entbindung sich nun näher rückt und alle Fragen rund um „Wie wird das eigentlich alles verlaufen?“ hochkommen. Ich habe mir mehrere Forenbeiträge und YouTube-Videos angeschaut und beide Themen „Angst“ und „Schmerzen“ zogen sich wie ein roter Faden durch. Im Übrigen denjenigen, die etwas empfindlicher sind, empfehle ich keine YouTube Berichte zu schauen, denn die meisten Mädels berichten ganz emotional wie der Prozess abläuft und wie alles schrecklich war. Man wird immer unsicherer, angespannter und hat noch mehr Fragen. Daher rate ich eher die positiven Berichte anzusehen, um sich zu motivieren und zu entspannen. Am Ende des Tages ist es alles sehr individuell, denn dabei spielt die eigene Psyche, Einstellung und Schmerzempfindlichkeit eine Rolle.

Schlussendlich bin ich durch Zufall auf Hypnobirthing gestoßen, fand die Methode gar nicht verkehrt und bestellte mir das Buch, um mich genauer damit auseinanderzusetzen. Das Buch beinhaltet die ganzen Hintergrundinformationen, spannende Vorgeschichten, wie man früher Kinder zur Welt gebracht hatte, Übungen, die ich oben teilweise erwähnt habe und eine CD, die man sich täglich während der Vorbereitung auf die Geburt anhören sollte. Trotz der mittlerweile 33. SSW habe ich entschieden jeden Tag konsequent zu üben, denn sich zu entspannen hat noch keinen gestört. So übte ich täglich nach einer Yoga-Einheit die ganzen Atem- und Visualisierungstechniken, die ca. 30 Minuten dauerten. Manchmal machte ich es direkt vor dem Schlafen, um einschlafen zu können, denn das hat auch aufgrund des riesigen Bauches und meines nachtaktiven Babys nicht mehr gut funktioniert. Ich muss ehrlich gestehen danach war ich entspannt wie nie. Man kann den gesamten Prozess mit einer Meditation vergleichen, bei der man einfach loslässt und seinen Geist vom ganzen „Tagesmüll“ entleert.

Am Tag X, der eigentlich eine Nacht X war, habe ich versucht die Atemtechniken während der Wehen einzusetzen. Natürlich geht man dabei eher chaotisch vor und hat nicht mehr alle Techniken drauf, denn so viel passiert, dass der Kopf und Körper einfach durcheinander sind. Dennoch alleine die Tatsache, dass ich mich auf die Entspannung und positive Gedanken eingestellt habe, hat mir geholfen den Prozess ohne Schmerzmittel fokussiert in relativ kurzer Zeit durchzugehen. Natürlich war es nicht ohne, aber durch die konsequente Vorübung hat man keine Angst und versucht seinen Körper und Geist zu entspannen und sich darauf auszurichten, dass bald ein Wunder passiert und man endlich sein Baby auf dem Arm halten darf. So war es auch passiert, nach 12 Stunden dürften wir unsere Tochter begrüßen und es war der schönste Moment unseres Lebens.

Geburt mit Hypnobirthing-Methode

Photo Credits: Wunderwerk Photographie, Link: Babygalerie Rotkreuzklinikum München

Fazit

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich keinem die Hypnobirthing-Methode aufquatschen möchte. Ich war am Anfang auch sehr skeptisch und bin selektiv bei der Auswahl der Übungen vorgegangen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, in wie fern man es anwenden möchte. Was ich aber nahebringen möchte, dass es definitiv nicht schadet sich damit auseinander zu setzen, um etwas entspannter nicht nur durch die Entbindung, sondern auch durch das Leben marschieren zu können.

Photo Credits Beitragsbild: Free-Fotos, Link: https://goo.gl/yzynJL

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