„Man kann nicht nicht kommunizieren“ lautet ein berühmter Spruch von Paul Watzlawick, der sich intensiv mit den Grundregeln und Grundsätzen der menschlichen Kommunikation beschäftigt. Dieser Spruch hat eine tiefgreifende Bedeutung, denn sowohl in unserem Berufs- als auch im Privatleben hängt unglaublich viel von der Kommunikation ab. Dieses Phänomen erlebe ich ebenso in meinem beruflichen Alltag: Wie viel macht die Art der Kommunikation und die Wahl der richtigen Worte aus und wie viel kann ein falsch gewähltes Wort zunichte machen!
Dadurch, dass ich selbst mehrmals aufgrund der ungeschickten Kommunikationsart auf die Nase gefallen bin, beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit der Methode der „gewaltfreien Kommunikation“. Diese möchte ich euch gerne  an die Hand geben, um mögliche unnötige Konflikte zu vermeiden und selbstreflektierender zu kommunizieren.

Was ist „gewaltfreie Kommunikation“?

Das Konzept der „Gewaltfreien Kommunikation (GFK)“ wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt und über mehrere Jahre hinweg in Form von Workshops unterrichtet bzw. in der Kommunikationspsychologie etabliert. Die gewaltfreie Kommunikation soll Menschen ermöglichen, miteinander einfühlsam, empathisch und bewusst umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude im Alltag führt. Somit kann die Methode der gewaltfreien Kommunikation in verschiedenen Lebensbereichen und Situationen erfolgreich angewendet werden:

– Enge Beziehungen, bspw. Partnerschaft
– Familien und Freundeskreisen
– Schulen, Organisationen und Institutionen
– Therapie, Coaching und Beratung
– Diplomatische und geschäftliche Verhandlungen
– Auseinandersetzungen und Konflikte jeglicher Art

Rosenberg geht von der Annahme aus, dass jeder Mensch sich dem anderen öffnen würde und grundsätzlich hilfsbereit ist, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ein Konflikt entsteht sobald Kritik, Vorurteile, moralische Bewertungen, das Leugnen der Verantwortung für eigene Gefühle und Handlungen (Annehmen der Opferrolle) oder unnötige Vergleiche und Forderungen im Spiel sind. Um die initiale Konfliktentstehung zu vermeiden, gibt es vier notwendige Bausteine der GFK Methode, die sowohl auf der sachlichen als auch auf der Beziehungsebene die menschliche Kommunikation erleichtern und erfolgreich gestalten.

Die 4 Komponenten der „gewaltfreien Kommunikation“

1. Beobachtungen: „Open your mind, before open your mouth“ – lautet einer meiner Lieblingssprüche. Zuerst sollte man beobachten, was in der Situation tatsächlich passiert, um Zusammenhänge zu verstehen und Ursachen sowie Wirkungen abzuleiten. Schließlich besteht die Kunst darin, nicht die entstandene Situation zu kritisieren, sondern unsere Beobachtung dem anderen ohne Beurteilung oder Bewertung mitzuteilen. Im Endeffekt geht es darum, einfach zu beschreiben, was jemand macht und welche Gefühle dabei bei uns selbst verursacht werden.

2. Gefühle: Jeder Mensch ist grundsätzlich empathisch und hat neben einer rationalen bzw. sachlich getriebenen Meinung ein bestimmtes Gefühl im Rahmen einer Diskussion. Wie häufig hört man sowohl privat als auch beruflich den Satz: „Ich habe das Gefühl,…“. Gefühle und Emotionen machen uns, Menschen, aus und sind häufig die Ursache der Missverständnisse und Konflikte. Daher sollte nach der Beobachtung ausgesprochen werden, wie wir uns fühlen, denn in dieser Form gelingt es seinen Gesprächspartner aufmerksam auf die eigene Beobachtung zu machen.

3. Bedürfnisse: Im dritten Schritt sollte kommuniziert werden, welche Bedürfnisse hinter den ausgesprochenen Gefühlen stehen und warum uns so wichtig ist, das Thema offen anzusprechen. Im Endeffekt geht es darum bei seinem Gegenüber ein offenes Ohr für eigene Gefühle und Bedürfnisse zu bekommen und verstanden zu werden ohne jegliche Kritik auszuüben.
Eine Mutter kann bspw. diese drei Bausteine in folgender Form einsetzen: „Sohn, ich bin traurig, wenn ich deine Schulsachen in der ganzen Wohnung verteilt finde, weil ich in den Räumen, die wir gemeinsam benutzen, mehr Ordnung brauche“.

4. Bitten: Die vierte Komponente, die sich darauf bezieht, was wir vom Anderen wollen, damit das angesprochene Bedürfnis erfüllt wird. Was kann er oder sie tun, um unsere Lebens- oder Arbeitsqualität zu verbessern? Dabei soll eine Bitte keine Forderung oder Befehl sein, sondern positiv und bewusst formuliert werden. Verallgemeinerungen sowie nicht eindeutige Bitten führen häufig zu negativen Reaktionen und zur Konfliktauslösung. Hier ist ein Beispiel: „Ich möchte, dass du mich verstehst, aber du hörst mir nie zu!“. Mit dem Wort „verstehst“ wird nicht eindeutig um eine machbare Handlung gebeten. Dazu kommt noch eine Verallgemeinerung „nie“, die eine negative Bewertung mit sich bringt.

Im Großen und Ganzen, hört sich das Konzept ziemlich einfach an. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch berichten, dass es nicht immer gelingt die alten Verhaltensmuster abzulegen und die vier Komponenten konsequent in der Kommunikation einzusetzen. Aber, wie man es so schön sagt – „Übung macht den Meister“ und „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Sei empathisch, einfühlsam, hör genau zu, was dir der Andere sagen möchte – was er fühlt und welche Bedürfnisse er gerade hat. Anschließend zähle bis zehn, atme durch und wähle die richtigen Worte, um „gewaltfrei“ auf die Aussage des Kommunikationspartners zu reagieren.

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